Liebevoll saniert: Gräftenhof Ehling in Recklinghausen

Liebevoll saniert: Gräftenhof Ehling in Recklinghausen


In ihrer ursprünglichen Form sind sie nur noch selten anzutreffen: Gräftenhöfe. Einer der ältesten Gräftenhöfe Deutschlands liegt in Recklinghausen-Suderwich. Als „herausragende Hofanlage im Ortskern des ehemaligen Dorfes Suderwich“ und „besonders gutes Beispiel der westfälischen Gräftenhöfe“ wurde er 1992 unter Denkmalschutz gestellt. Seit seiner Sanierung in den Jahren 2009–2011 und den Erweiterungsbauten erstrahlt der Gräftenhof Ehling in neuem Glanz, bietet 29 barrierefreie Wohnungen und ist Sitz zweier Praxen und eines medizinischen Dienstes. Eigentümer der des Gräftenofes ist die gemeinnützige Ottilie Ehling Stiftung, deren Stiftungszweck unter anderem die Heimatpflege und Altenhilfe ist.

Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem 13. Jahrhundert. 1357 wird der erste Ehling namentlich genannt. Seither war der in der Postsraße 7 in Recklinghausen-Suderwich gelegene Gutshof Heimat für 13 Generationen der Familie Ehling. In späteren Jahrhunderten entwickelte sich die Hofstelle zum Gräftenhof, einem speziellen Typus einer Einzelhofsiedlung, dessen Hauptcharakteristikum ein Wassergraben, die sogenannte Gräfte, ist, der die Hofstelle ganz oder in Teilen umgibt. Insbesondere das Münsterland ist bis heute siedlungsgeographisch von Gräftenhöfen geprägt. Entstanden sind diese, so die Vermutung, aus dem Bedürfnis nach Schutz und Sicherung für die zumeist isoliert liegenden Wohnplätze sowie aus dem Wunsch nach Anerkennung und sozialem Prestige.

Zurück zum Gräftenhof in Recklinghausen: Das aus dem 18. Jahrhundert stammende Gutswohnhaus wurde im typischen Fachwerkstil erbaut und durch den Ur-Ur-Großvater der heutigen Bewohnerin, Prof. Irmgard Isselstein, 1836 im gleichen Stil erweitert. 1905 ließ die Urgroßmutter das Fachwerkgebäude unter Verwendung klassizistischer Elemente wie die Umrahmung der Eingangstür durch Pilaster mit korinthischen Kapitellen und Dreiecksgiebeln sowie vom Jugendstil geprägten Verzierungen der Fassade verputzen.

Ausgezeichnete Fassadensanierung

Der denkmalgeschützte Gräftenhof wurde nach Entwurf und Planung von Dipl.-Ing. Architekt Thomas Serwe aus Recklinghausen saniert. Den Zuschlag zur Ausführung der Sanierungs­arbeiten erhielt Malermeister Herbert Behrendt aus Oer-Erkenschwick. Bei den vielen historischen Details war Liebe zum Detail gefragt. Ob Traufen, Gesimse, Fensterbekleidungen oder die historische Jahreszahl: Alles wurde originalgetreu nach historischer Vorlage rekonstruiert. Eine weitere Herausforderung, speziell an der östlichen Giebelseite, stellte der um die Jahrhundertwende sehr dicht aufgetragene Putz dar. Er hatte den Feuchtigkeitsaustausch der tragenden Eichenbalken stark behindert, sodass einige Fachwerkträger ausgetauscht werden mussten. Um die schöne historische Schaufassade in Gänze zu erhalten, wurde von innen ein tragendes Holzfachwerk vor die Giebelwände gesetzt. Als Schlussbeschichtung kam Silikat-Fassadenfarbe 1804, eine wetterbeständige, hoch diffusionsfähige Fassadenfarbe auf Silikatbasis zum Einsatz, die speziell für Anstriche historischer bzw. denkmalgeschützter Bauten sehr geeignet ist. Die Farbgestaltung orientiert sich ebenfalls am historischen Original und gibt dem Gutshaus seinen ursprünglich hellen, freundlichen Sandfarbton zurück. Mit dieser Sanierung gelang es allen Projektbeteiligten, den historischen Gesamteindruck wiederherzustellen und für die Zukunft zu bewahren.

Heimat für Senioren

Mit dem Tod von Ottilie Ehling 2006 starb das Geschlecht Ehling in der 13. Generation auf dem Gräftenhof aus. Wie schon ihre Vorfahren hatte auch Ottilie Ehling eine sehr soziale Grundhaltung und war eng mit ihrer Heimatgemeinde verbunden. Ihr Wunsch war es, dass der Gräftenhof der Gemeinde auch nach ihrem Tod als historische Stätte für Feste und Feiern erhalten bleibt und dass alte Menschen auf dem Hofgelände einen schönen Lebensabend verbringen können. Diese Verpflichtung nahm sich Prof. Irmgard Isselstein, Nichte, Erbin und Bewohnerin des Gutswohnhauses, zu Herzen und gründete 2011 die nach der Tante benannte gemeinnützige Ottilie Ehling Stiftung, deren Stiftungszweck unter anderem die Heimatpflege und Altenhilfe ist.

Unmittelbar am Rande des Hofgeländes entstanden vier Neubauten mit insgesamt 29 hellen freundlichen barrierefreien Wohnungen. Ein Arzt, ein Physiotherapeut und ein mobiler medizinischer Dienst haben hier ihren Sitz. Geplant ist, zu einem späteren Zeitpunkt auch die zum Gräftenhof gehörenden denkmal­geschützten ehemaligen Stallungen auszubauen und zu einer Begegnungsstätte für die auf dem Gräftenhof lebenden alten Menschen und für die Gemeinde zu machen.

Bautafel

Gräftenhof Ehling, Poststraße 7, Recklinghausen-Suderwich

Bauherr: Prof. Irmgard Isselstein

Planung: Architektur Thomas Serwe, Recklinghausen

Ausführung:  Malermeister Herbert Behrendt, Oer-Erkenschwick

Eingesetzte Brillux Produkte: Silikat-Fassadenfarbe 1804

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28. September 2016 / von / in

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